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Dies ist eine Liste derjenigen Theaterstücke in den Münchner Kammerspielen die ich in letzter Zeit gesehen habe, sowie eine subjektive Einordnung in verschiedene Kategorien.

A: Fantastisch - unbedingt anschauen!

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Die Familie Schroffenstein Heinrich von Kleist Roger Vontobel Jochen Noch, Sebastian Weber, Jochen Striebeck, Annette Paulmann, Caroline Ebner, u.a. 4/2007 Ein Familienfehde mit fatalem Ausgang. Gleich die Eingangsszene ist toll inszeniert - man erlebt die zwei Familien von jeweils zwei verschiedenen Blickwinkeln. Im Stück wird dann mit Puppenspiel und Videoprojektion eine traumartige Parallelwelt aufgebaut. Trotz der drei Stunden Auffüshrungsdauer und der altertümlichen Sprache sehr kurzweilig!
Denn alle Lust will Ewigkeit Franz Wittenbrink Franz Wittenbrink Caroline Ebner, Wiebke Puls, Anna Weber, Doris Schade und Stefan Merki 1/2007 Ein aussergewöhnliches Singspiel mit morbidem Charm und Witz, sehr unterhaltsam, und mit vielen tollen Gesangsdarbietungen.
Glaube Liebe Hoffnung Ödön von Horvath Stephan Kimmig Brigitte Hobmeier, Edmund Teigenkämper, Andre Jung, Gundi Ellert, u.a. 12/2006 Das Theaterstück ist wunderbar umgesetzt und wird als Folge von Stilleben erzählt. Jedes Bild ist sehr schön schlicht, mit toller Lichtführung und wenigen intensiven Farben. Das Spiel der Figuren ist sehr langsam und pointiert, was insgesamt einen leicht surrealen (zeitlosen) Eindruck hinterlässt.
Elementar-
teilchen
Michel Houellebecq Johan Simons Rober Hunger Bühler, Andre Jung, Yvon Jansen, Sylvana Krappatsch, und Chris Nietvelt. 11/2005 Dichte und textnahe Umsetzung des Romans. Bestes Erzähltheater (wie schon bei den 10 Geboten). Interessante Bühnengestaltung: die Zuschauer sitzen auf beiden Seiten, und der unebene Boden lässt die Bewegungen der Figuren zerbrechlicher erscheinen.
Die Zehn Gebote Krysztof Kieslowski Johan Simons Praktisch das ganze Ensemble (siehe Link) 2/2005 Reines Erzähltheater - alles findet alles im Kopf statt! Wohl mit Abstand einer besten Inszenierungen in den Kammerspielen!
Die Nibelungen Friedrich Hebbel Andreas Kriegenburg Praktisch das ganze Ensemble (siehe Link) 12/2004 Siegfried wird durch einen ganzen Chor von Männern dargestellt. Tolle Effekte und Bühnenbild, keine Minute langweilig.
Klaras Verhältnisse Dea Loher Stephan Rottkamp Caroline Ebner, Mira Partecke, Christoph Luser, Marion Breckwoldt u.a. 3/2004 Ein sehr interessantes Stück über diverse dramatische Verwicklungen im Leben einer jungen Frau. Tolles Bühnenbild aus Papier, welches die Schauspieler anhand von Diaprojektionen bemalen. Mit einer wirklich glänzenden Hauptdarstellerin.
Othello William Shakespeare bearbeitet von Feridun Zaimoglu Luk Percival Thomas Thieme, Julia Jentsch, u.a. 3/2003 Tolles Schwarz-Weiss Lichtführung und Bühnenbild, Exzellente Live Musik (Klavier das mitten auf der Büne steht).

B: Toll - sehr sehenswert!

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Die Panik Rafael Spregelburd Patrick Wengenroth Jochen Noch, Lasse Myhr, Christin Köenig, Anna Böger, u.a. 1/2007 Die Panik kommt zwar nicht auf, aber das Stück ist trotzdem sehr schrill. Vor allem Anna Böger sticht (u.a. als Pillen schluckendes Party-Girl) hervor. Es gibt aber auch leise Töne, z.B. mit Jochen Noch als lebendiger Toter, der erst nach und herausfindet, dass er wirklich tot ist.
Drei Schwestern Anton Tschechow Andreas Kriegenburg Annette Paulmann, Sylvana Krappatsch, Katharina Schuber, u.a. 11/2006 Kriegenburg erzählt Tschechow sehr poetisch und auch mit subtilem Witz. Besonders toll sind die Masken, die trotz ihrer Hässlichkeit die drei Schwestern und die sonstigen Akteure sehr kindlich und liebenswürdig erscheinen lassen. Annette Paulmann ist ausserdem unglaublich wortgewaltig!
Engel Anja Hilling Felicitas Brucker Sylvana Krappatsch, Lasse Myhr, Stefan Merki, u.a. 9/2006 Eine assozationsartig erzähltes Theater, in der verschiedenste Lebenssituationen ganz unterschiedlicher Personen miteinander in einem Handlungstrang verkettet werden, mit Sylvana Krappatsch als moderierendem "Engel". Das Bühnebild ist exrem simpel aber trotzdem sehr raffiniert: alles spielt sich auf einer gewölbte Sperrholzrampe ab, begleitet von Filmprojektionen und Live-Musik.
Trauer muss Elektra tragen Eugene O'Neill Stefan Pucher Katharina Schubert, Oliver Malison, u.a. 9/2006 Eine griechische Tragödie sehr bildgewaltig inszeniert als Soap-Opera mit aufwauml;ndigen visuellen Effekten und viel Musik. Anschauen lohnt sich definititiv, besonders wegen der Art der Inszenierung und der tollen Ausstattung, und natürlich wegen Katharina Schubert als Lavinia. Streckenweise ist die Geschichte allerdings auch ein wenig zauml;h.
Am Tag der jungen Talente Polle Wilbert Johannes von Matuschka Katharina Schubert, Robert Dölle, Tanja Schleiff, Gundi Ellert, Jochen Striebeck und Rene Dumont 6/2006 Eine sehr lustige und doch recht tiefsinnige Familiengeschichte über die Schicksalsverstrickungen zweier Zwillingsbrüder. Robert Dölle gibt hervoragend den Sohn Ludwig, der unfreiwillig das teure Erbe seines Vaters antritt.
Das Leben auf der Praça Roosevelt Dea Loher Rodolfo Gracia Vazques Alberto Guzik, Angela Barros, u.v.a.m. 5/2006 Ein Gastpiel des Theates "Espaço Os Satyros" aus Sao Paulo (in portugiesischer Sprache mit deutschen Übertiteln). Fantastische surreale Bildsprache mit Elementen aus Komedia dell'Arte, Strassentheater und magischen Realismus. Das Stück hat sehr viele Handlungstränge und ein ziemlich krasses Ende.
Monsun Anja Hilling Roger Vontobel Caroline Ebner, Tanja Schleiff, Anna Böger, und Paul Herwig. 1/2006 Caroline Ebner spielt (in ihrer netten harlekinischen Art) gleich zwei (oder drei?) Rollen gleichzeitig. Sehr schöne Live-Video-Montagen, und Filmzitate. Starke Nerven (wie im Spiegel behauptet) braucht man aber dann nicht.
Die Bakchen Euripides Jossi Wieler Robert Hunger-Bühler, Andre Jung, Wibke Puls, Sylvana Krappatsch u.a. 11/2005 Die "Zeit" meint, Jossi Wieler hat als einziger Euripides verstanden.
Lulu Live frei nach Frank Wedekind Luk Perceval Julia Jentsch, Annette Paulmann, Hildegard Schmahl, Henriette Schmitt u.a. 10/2005 Absolut genial gemachte Schattenspiele, Projektionen und live bearbeitete Videostreams. Allerdings nichts für zarte Seelen...
Schändet eure neoliberalen Biographien Rene Pollesch Rene Pollesch Katharina Schubert, Stefan Merki, Gundi Ellert und Sebastian Weber 10/2005 Tolle Bühne und Deko, sehr gute Videoeffekte, es wird wahnwitzig schnell gesprochen.
Draussen tobt die Dunkelziffer Kathrin Röggla Felicitas Brucker Caroline Ebner, Anna Böger etc. 10/2005
Vor Sonnenaufgang Gerhart Hauptmann Thomas Ostermeier Paul Herwig, Peter Brombacher, Julia Jentsch, u.a. 5/2005 Tolles asiatisches Bühnenbild.
Kein schöner Land Franz Wittenbrink Franz Wittenbrink Stephan Zinner, Berivan Kaya, Anneke Schwabe u.a. 1/2005 Vielleicht das beste Stück der Folge der bisherigen Liederabende von Franz Wittenbrink.
Radio Noir Albert Ostermaier Monika Gintersdorfer Caroline Ebner 10/2004 Düster und spannend, mit einer einzigen Darstellerin!
Antigone Sophokles Lars-Ole Walburg Julia Jentsch, Caroline Ebner, Michael Neuenschwander, u.a. 5/2004
Das Fest des Lamms Leonora Carrington Jossi Wieler Anna Böger, Hildegard Schmahl, Anette Paulmann, u.a. 4/2003 Ein bischen wie "Das Schweigen der Lämmer"...
Die Perser Aischylos hobbypopMUSEUM Doris Schade, Hannes Hellmann u.a. 10/2002 Alle Zuschauer stehen wie auf einer Art Cocktailparty herum, dazwischen laufen die Schauspieler herum.
Norway.Today Igor Bauersima Friederike Heller Katharina Zoffmann und Lorenz Nufer 6/2002 Sehr minimalistisch gemacht (in der Jutierhalle)

C: Ok - kann man sehen muss aber nicht.

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Macht und Rebel angelehnt an den gleichnamigen Roman von Mathias Faldbakken Schorsch Kamerun Josef Bierbichler, Anna Böger, Jochen Noch, Sebastian Weber, u.v.a. 11/2006 Ein Zirkusspektakel mit toller Musik (Orchester), mit etliche netten Einfällen (z.B. die "Southpark"-Problemkids) und tollen Einzeldarbietungen (Jochen Noch), aber ingesamt leider eher Show als Inhalt.
Wir werden siegen! Und das ist erst der Anfang! Peter Licht Christiane Pohle Katharina Schubert, Stefan Merki, Oliver Mallison, u.a. 2/2006 Musical Projekt von Peter Licht über alte und neue Revolutionshelden und -träume. Viele witzige Ideen und lustiges Bühnenbild (mit dem einzigartigen Matratzenfernseher). Die Musik kann man sich auf der Peter Licht Homepage anhören.
Der Kirschgarten Anton Tschechow Lars-Ole Walburg Stephan Bissmeier, Anna Böger, Matthias Bundschuh, etc. 2/2006 Diese Inszeniertung leidet an zu offensichtler Überfrachtung mit aktueller Deutschlandpolitik, erinnert stellenweise an Laientheater und ist leider auch noch nichtsagend. Es gibt auch keinen Schauspieler, der irgendwie hervorragt.
Dunkel Lockende Welt Händl Klaus Sebastian Nübling Gundi Ellert, Wiebke Puls, Jochen Noch 2/2006 Etwas zu seichte Krimikomödie, mit netter Easy-Listening Musik und nettem Bühnenbild. Jochen Noch spielt den schleimigen Vermieter exzellent.
Woyzeck Georg Büchner Michael Thalheimer siehe Link 3/2005 Gastspiel Thalia Theater Hamburg
Anatomie Titus Fall of Rome Heiner Müller Johan Simons Andre Jung, Nina Kunzendorf, Mira Partecke, u.a. 11/2003 interessant, aber sehr anstrengend (obwohl es eigentlich kurz ist)
Karoshi. Tod durch Überarbeitung ? Stephanie Sewalla Anna Böger, Walter Hess, u.a. 11/2003 Gute Musik - von Peter Licht
Metamorphosen Franz Wittenbrink Franz Wittenbrink Die üblichen Musiker (Stephan Zinner, Stefan Merki, Katharina Schubert u.a.) 6/2003
Miss Sara Sampson Gotthold Ephraim Lessing Stephan Rottkamp Hans Kremer, Robert Dölle, Caroline Ebner u.a. 5/2003

D: Langweilig.

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Die Räuber nach Schiller Friedrich Schiller Christiane Pohle Wolfgang Pregler, Hans Kremer, Sebastian Weber u.a. 5/2006 Totz einiger netter Ideen (der Männerchor, as Kneipennühnenbild, die Jagdszene mitsamt gekreuzigtem Hasen etc.) und engagiertem Wolfgang Pregler insgesamt fad und langweilig. Die "Abkehr und Rebellion der Nachkriegssöhne gegen die schweigenden Täter-Väter" (laut Programm) ist nicht wirklich zu erkennen.
Iphigenie auf Tauris Johann Wolfgang von Goethe Laurent Chetouane Fabian Hinrichs, Christoph Luser u.a. 12/2005 Über lange Strecken schlicht langweilig, fad, und "pseudointellektuell" inszeniert. Weder provozierend noch sonst anregend. Fabian Hinrichs bietet trotzdem eine ziemliche gute Darstellung.